Weinbasics


Die Basics für alle angehenden Weinkenner

Damit seid ihr schon mal den meisten Weinschwefl... äh ... Weinschwaflern voraus. Mehr zu Schwefel im Wein eben unten. Und wenn ihr einmal eine spezielle Weinwissens-Frage habt, meldet Euch per Kommentar oder mail, wir helfen immer gerne!

 

Anmerkungen zum Genuss

Gerade weil Weingurus vergangener Tage immer häufiger belächelt werden und radikale (Meinungs)Freiheit den Weinmarkt beherrscht, ist die ein oder andere Anmerkung vielleicht doch nicht verkehrt. von Alex Schilling (derweinblog.de

 

1. Der Preis

Volle Weinflaschen wachsen nicht verkaufsfertig auf Bäumen: Finger weg von Billigweinen. Weine unter 6€ pro Flasche sind im höchsten Maße industriell gefertigt, im Geschmack und der Menge optimiert. Hier schmeckt jedes Jahr gleich langweilig und Winzer verdienen kaum Geld daran. Hier definiert sich der Preis über die Masse, nicht die Qualität. Geiz ist nicht geil; sondern recht kurzfristig für den Gewinn gedacht. Der Gewinn des Konsumenten, nämlich dessen Genuss, taucht in dieser Rechnung nicht auf. Lasst den Winzer und eure Rezeptoren (über)leben, knausert nicht beim Weinkauf.


2. Weiß, Rot, Rosé… Rotling, wie geht das?

Wein ist kein Naturprodukt: Wein wird von Menschen für Menschen gemacht. Wein ist ein Kulturgut. Dafür ist viel Aufwand im Weinberg wie auch im Keller notwendig. Weißweine werden nach der Ernte gepresst und deren Saft, welcher im Weinsprech Most heißt, dann mittels Hefen vergoren. Rotweine erhalten ihre rote Farbe nicht etwa, weil die Beeren rot sind. Wenn man rote Beeren mal aufschneidet, wird man sehen, dass das Fruchtfleisch weiß ist. Vielmehr wird der Wein dadurch zum Rotwein, dass man die Beerenschalen im Most eine Weile schwimmen lässt, was als Mazeration bezeichnet wird. Dann lösen sich die in den Schalen der roten Beeren sitzenden Farbstoffe und verleihen dem Wein die rote Farbe. Bei einem Rosé passiert dass im Grunde auch, nur das die Kontaktzeit der Schalen mit dem Traubenmost sehr kurz gehalten wird, meist nur wenige Stunden. Rotling ist übrigens kein Rosé, sondern erlaubte Verbrauchertäuschung und Panscherei. Hier werden einfach ein fertiger Rot- und ein Weißwein zusammengeschüttet. Nicht immer auf die großen Namen schauen, selbst entdecken. Mit Weingood ist das ohne großen Aufwand möglich.

3. Schwefel im Wein

JEDER Wein enthält Schwefel: Auch BIO-Wein! Was viele nicht wissen, Schwefel im Wein ist keine böse Chemie von Menschenhand, sondern als natürlicher Bestandteil wirklich in jedem Lebensmittel vorhanden. Darüber hinaus wird Wein bereits seit dem frühen Mittelalter bewusst mit Schwefel versetzt um diesen haltbar zu machen. Schwefelfreien Wein gibt es nicht! Wer das behauptet lügt. Zahlreiche Angebote sind im Netz dazu leider zu finden, was mindestens unseriös ist. Allerdings gibt es ungeschwefelte Weine. Ein kleiner, aber enormer Unterschied. Vereinzelte Winzer versuchen ohne die Zugabe von Schwefel Wein zu machen. Meine Verkostungen dazu waren von bescheidenem Erfolg gekrönt. Etwa ein Drittel war per se nicht trinkbar, ein weiteres Drittel nach 24 Stunden geöffneter Flasche, das andere spätestens nach drei Tagen einfach hinüber. Übrigens haben Kopfschmerzen nach Weingenuss nichts mit Schwefel, sondern mit der Menge zu tun. Dann vielleicht noch gemütlich beisammen gesessen und fleißig geraucht? Bingo!

4. Das Glas

Ein gutes Glas muss nicht 40€ kosten. Vielmehr ist die Form des Glases entscheidend. Den Spaß am Wein sollte man sich aber schon mit mindestens zwei, besser aber drei verschiedenen Glasformen offen halten. Ein Glas für Weißwein, eines für Rotwein und eines für Rotwein… häh? Letzteres für eher leichtere Rotweine wie Burgunder. Wichtig ist, dass Weingläser eine nach oben verjüngende konische Form haben, also deren Öffnung zu Nase und Mund im Durchmesser kleiner ist, als etwa der Bauchdurchmesser des Glases. Dadurch strömen die Aromen besser an die Nase. Wer etwa 30€ in die Hand nimmt und damit nach Feierabend in ein Haushaltswarenladen geht, wird fündig. Dann wäre da noch der Blubberwein. Champagner und Co. in einen langen Schlauch - fälschlicherweise auch Sekt- oder Champagnerglas bezeichnet - zu füllen, ist fast schon eine Sünde. Geschmacklich tut sich deutlich mehr, wer wunderschöne Sektschalen wie in alten Filmen der 20er und 30er Jahre hat. Der Stoff will atmen und braucht dafür eine große Fläche. Wenn es Gäste auch verwirren mag, wer den Champagner mal eben ins dickbauchige Burgunderglas einquartiert, liefert zugleich ein Gesprächsthema.

5. Die Lagerung

Weinflaschen im Regal

Stellen, legen? Eigentlich trinken! Früher musste der Wein unbedingt liegen damit der Kork feucht bleibt. Da stieß sich der Herr Baron aber auch noch den Kopf an, wenn er mit der Kerze in der Hand die Stiege in die feuchte Dunkelheit herunterwackelte… Heute ist Lehrmeinung, dass stehende Lagerung völlig ausreicht um den Korken feucht zu halten. Letztlich wird der Korken bei liegender Lagerung sogar schneller zerstört. Wobei mit schneller ein Zeitraum von vielleicht 30 Jahren gemeint ist. Naja, kaum jemand hat heute noch einen Keller, keiner lagert seinen im Netz gekauften Wein 30 Jahre lang, solange hält der auch nicht. Wer seinen Wein innerhalb der nächsten 2-3 Monate trinkt, verschwendet bei den heute meist eh verschraubten Flaschen mit solchen Gedanken also nur Zeit. Dennoch ist es sinnvoll, den Wein vielleicht nicht direkt neben dem Kochfeld im Neonlicht stehen zu lassen. Ein kühler, dunkler Ort ist die bessere Wahl. Meist eignet sich hierfür das Schlafzimmer, warum nicht direkt im Kleiderschrank?

6. Spaß haben

Kauft Weine die euch schmecken. Der Markt ist übersäht mit Auszeichnungen, Punkten und den Meinungen irgendwelcher Experten. Geschmack ist aber nicht übertragbar. Wenn dem Weinpapst XY irgendein Wein besonders gut schmeckt, können andere diesen Stoff geradezu entsetzlich finden. Man muss sich nicht verbiegen, weil irgendein „Weinkenner“ etwas sagt. Auch kann ein Wein für 50€ der völlige Reinfall sein. Der wegen seiner Offenheit zu Recht etablierte Weinjournalist Stuart Pigott sagt zu diesem Thema nur „vertrauen Sie ihrer Zunge“ und trifft damit voll ins Schwarze.     So, Und jetzt natürlich... ein Glas Wein. Hier könnt ihr unsere Weine nach Geschmack oder Weinart filtern.