Wir stellen vor: Der Pinot Noir (Spätburgunder)


Spätburgunder - der König der roten Reben

 

Was unter den Weißweinen recht unbestritten der Riesling ist, kann mit vollem Recht der Spätburgunder für sich in Anspruch nehmen. Und wie das mit hochgestellten Persönlichkeiten eben ist: Der Umgang mit ihnen ist ein bisschen schwierig, ohne „Protokoll“ geht bei Spätburgunder, oder französisch Pinot Noir, (fast) nix.

 

Davon besonders betroffen ist der Winzer. Denn der Umgang mit Spätburgunder ist im Weinberg, wie auch im Keller, mehr als schwierig und fordert viel Geschick. Spätburgunder ist eine verdammte Diva und will umsorgt werden.
Freilich kann man Spätburgunder auch „industriell“, mit der Zielsetzung eines möglichst hohen Ertrages erzeugen; die Ergebnisse dieser aber zu Finesse und schlichtweg graziler Größe fähigen Rebe liegen dann weit ab dessen, was eben möglich ist. Billig erzeugten Spätburgunder für drei, vier Euro aus dem Supermarkt kann man daher getrost vergessen.

 

Spätburgunder braucht recht konstantes Wetter. Radikale Temperaturschwankungen dankt er schon mal mit dem Abwurf seiner Blätter, zu kalt darf es schon gar nicht sein. Winzer bevorzugen daher südliche Lagen, zu viel Sonne ist aber auch schlecht.
Wer als Winzer aber bei der Reife nur auf die Oechsle schaut, sprich als Reifeindikator einen möglichst hohen Zuckergehalt in der Beere anstrebt, wird qualitativ scheitern. Die bestmögliche Aromenintensität ist bei der früh reifenden Rebsorte bereits vor der der physiologischen Reife erreicht und lässt danach deutlich nach.


Zu deutsch: Vollreife Trauben sind zwar süß, schmecken aber sonst nach nicht mehr viel. Spätburgunder liebt karge Böden, was ihn z.B. für die steinigen Hänge an der Ahr prädestiniert. Besondere Ergebnisse erzielt die Rebe auf kalkhaltigen oder reinen Kalkböden.

 

Pinot Noir Trauben

 

Vielfalt ist Trumph!

 

Um möglichst fruchtbetonte Weine zu bekommen vergären manche Winzer Ihren Wein schnell und mit Aromahefen. Der grundsätzlich gerbstoffarmen Rebe wird mehr Tannin verliehen, indem man den gepressten Saft länger auf den Beerenschalen liegen lässt. Auch können die Stiele mit vergoren werden um mehr Gerbstoffe zu extrahieren. Grundsätzlich steht dem Wein der Ausbau im Barrique sehr gut, wobei man ihn mit zu viel Holz auch erschlagen kann.
In Deutschland darf Spätburgunder mit 15% eines anderen Weines vermischt werden, ohne dass das deklariert werden muss. Das gilt aber für alle Weine.
Dafür nimmt man gerne die Färberrebe, die schon mit ihrem Namen offensichtlich dem Wein mehr Farbe verleiht, sprich ihn dunkler macht. Wer das nicht möchte, sollte sich an fast schon ungewohnt helle, samt rote Weine halten.

 

Die Beeren des Spätburgunders haben sehr dünne Schalen und sind daher anfällig für Krankheiten. Pilzbefall droht recht schnell, da dieser leichter durch die Beerenhäute eindringen kann.
Gerade in Weinjahren wie 2014 - wir erinnern uns an die aus Asien stammende Kirschessigfliege - haben Krankheiten mit den dünnen Häuten leichtes Spiel. Die Larve bohrt sich durch die Oberfläche und bietet somit eine Eintrittspforte für unliebsame Gäste. Nur sehr genaue Selektion der befallenen Beeren kann hier noch helfen. Das verringert die Erntemenge, kostet Arbeitszeit und somit Geld.

 

Spätburgunder ist eine sehr alte Rebe und dementsprechend in vielen Mutationen vorhanden. Ein angesichts der Namensgebung offensichtlicher Verwandter ist der Frühburgunder, weitestgehend übersehen wird dafür die enge Verwandtschaft mit Chardonnay.


Zusätzlich gibt es - wie bei allen anderen Rebensorten auch - die künstlichen Veränderungen. Diese werden als Klone bezeichnet.
Unter einem Klon versteht man im Weinbau einen in einer Rebschule erzogenen Weinstock, der bestimmte Eigenarten für sich vereint. Ein Klon kann darauf ausgelegt sein, größere Beeren zu erzeugen, oder man erhöht dessen Widerstandsfähigkeit gegen Pilzbefall usw. All das kann Auswirkungen auf den späteren Geschmack haben. Hohe Qualität und hohe Quantität sind aber auch mit einem Klon nur bedingt machbar.

 

Spätburgunder oder Pinot Noir?

 

Eine oft gehörte Behauptung ist, dass guter Pinot Noir nur aus dem Burgund kommen kann. Naja, Burgund ist gefährlich! Sprichwörtlich ein Minenfeld. Nirgendwo sonst ist die Auswahl an Klasse und unsäglichem Schrott derart hoch, wie im Burgund. Dennoch kann es einem passieren, dass man für Letzeres auch mal richtig in den Geldbeutel langen muss…
Die Qualität der deutschen Spätburgunder der letzten Jahre ist enorm gestiegen, gerade im Bereich der Basisweine kann man unter 10€ reichlich guten Stoff finden. Geschmacksdogmatismus ist ein Problem in der Weinwelt, wie anderenorts auch, führen Vorurteile geradewegs in die (geschmackliche) Einbahnstraße.

 

Ob aber ein Winzer in Deutschland letztlich Spätburgunder oder die französische Entsprechung auf die Flasche schreibt, ist sicher auch eine Frage, wie man auf dem Markt wahrgenommen werden möchte. Grundsätzlich handelt es sich um eine französische Rebe, dann klingt Pinot Noir auch noch deutlich edler und somit hochwertiger. Aber Namen sind bekanntlich Schall und Rauch… der Inhalt zählt! Gibt man sich als deutscher Winzer nicht auch ein bisschen der Austauschbarkeit hin, wenn man wie alle anderen auch auf dem internationalen Markt Pinot Noir verkaufen will?

 

Mancher Winzer orientiert sich bei der Namensgebung an der Herkunft seines Klones. Ein bekannter Pfälzer Winzer pfeift fast gänzlich auf Rebensortenangaben und bezeichnet seine Weine mit Namen, die alle nach Pipi Langstrumpf und Taka-Tuka-Land klingen; enorm erfolgreich!
Bezüglich der Namensgebung haben Winzer völlig freie Hand, die Rebe muss in Deutschland nicht auf der Flasche stehen. Pinot Noir ist nicht etwa ein besserer Spätburgunder, sondern einfach nur ein anderer Name. So gibt es in Deutschland den Spätburgunder, die Österreicher sprechen vom Blauburgunder, Schwarzburgunder heißt es dann in Südtirol oder Pinot Nero in Italien.

 

In seiner Stilistik ist Spätburgunder stark von Herkunft und der Art der Bereitung geprägt. Es ist ein Terroirwein.
Am Markt erhältlich sind vielfältige Vertreter von opulent bis laut und fruchtig, von krachend süß bis staubtrocken. So manchem merkt man den zeitweisen Verbleib im Barrique sehr offensichtlich an, spannender sind aber jene, die das nur andeuten; Raum für weitere Eindrücke lassen. Filigranität und Finesse zeigen jene Weine, die eine Balance zwischen Säure und Fruchtsüße finden, die Harmonie zwischen Gerbstoffen und Frucht erzeugen.
Im Mundgefühl sind gute Spätburgunder weich und samtig, zeigen mürbe Gerbstoffe und sollten übrigens nicht zu warm getrunken werden. Wer daheim ein Burgunderglas hat, diese sind nochmal größer als Rotweingläser sollte dies auf jeden Fall benutzen. Gibt´s aber auch schon für ca. 10€, die Anschaffung lohnt sich.



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